Was Anleger über Bitcoin wissen sollten

Bitcoin und andere Kryptowährungen (von denen es mittlerweile Tausende gibt) faszinieren und sind ein beliebtes Gesprächsthema. Angesichts der dramatischen Kursschwankungen von Bitcoin überrascht es nicht, dass viele Anleger darüber nachdenken, wie das Digitalgeld in ihr Portfolio passen könnte.

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Den Marktbericht für das 1. Quartal 2021 finden Sie hier!

Digitale Zahlungsmittel wie Bitcoin sind erst im letzten Jahrzehnt aufgekommen. Anders als bei traditionellem Geld sind keine Scheine oder Münzen verfügbar. Die Währung wird nicht von Notenbanken herausgegeben und von keiner Aufsichtsbehörde oder Regierung reguliert oder gestützt.

Virtuelle Währungen sind hingegen eine Art Code, der von Computern erstellt und in einer digitalen Geldbörse gespeichert wird. Bei Bitcoins gibt es nur ein begrenztes Angebot von 21 Millionen, von denen sich über 18,5 Millionen in Umlauf befinden. Die Transaktionen werden auf einer öffentlichen Buchführungsplattform verbucht, die als Blockchain bezeichnet wird.

Bitcoins kann man auf unterschiedliche Weise erwerben. Sie können Sie mit traditioneller Papierwährung kaufen oder „minen“: Mit Hilfe von leistungsfähigen Computern werden hochkomplexe mathematische Puzzle gelöst; dabei werden jüngste Transaktionen zu neuen Blöcken in der Transaktionskette zusammengefasst, die als Entlohnung neu erstellte Bitcoins schaffen.

Im letzten Jahrzehnt wurden Kryptowährungen hauptsächlich von enthusiastischen Computernutzern und Leuten verwendet, die vom Ende des traditionellen Papiergeldes überzeugt sind. Dieser attraktive Nischencharakter spiegelt sich im Marktwert der virtuellen Währung wieder. Beispielsweise beträgt bei einem Marktwert von 57.000 USD pro Bitcoin der Gesamtwert der sich in Umlauf befindlichen Bitcoins weniger als ein halbes Prozent des Gesamtwerts der globalen Aktien und Anleihen. Nichtdestotrotz hat der starke Anstieg des Marktwerts von Bitcoins in den letzten Wochen und Monaten zu einer verstärkten Berichterstattung in den Medien geführt.

In den wenigen Jahren seiner Existenz hat sich Bitcoin als außerordentlich volatil erwiesen. In manchen Monaten ist der Bitcoin-Kurs um mehr als 40% gestiegen oder gefallen. Für Trader ist ein Markt mit derartigen Kursausschlägen bestimmt eine interessante Spielwiese. Ein solch volatiles Asset eignet sich jedoch kaum als verlässliches Tauschmittel (als Ersatz für Bargeld), oder zur Reduktion von Risiken und zum Schutz vor Inflation (als Ersatz für Anleihen) in einem diversifizierten Portfolio.

Tatsächlich kann es sich als problematisch gestalten, den Wert von Bitcoin als Anlage zu beurteilen. Um eine Bitcoin-Position im Portfolio aufzubauen, müssten Anleger womöglich andere Positionen entsprechend verkleinern (Aktien, Anleihen, Immobilien usw.). Die Eigentümer von Aktien oder Immobilien versprechen sich von ihren Anlagen in der Regel Erträge aus Dividenden oder Mieten, auch wenn sie Höhe und Zeitpunkt dieser Erträge nicht immer mit Sicherheit kennen. Anleiheinvestoren erwarten im Allgemeinen sowohl Zinszahlungen als auch die Rückzahlung des Kapitals.

Bitcoin verhält sich dagegen ähnlich wie Gold als Anlage. Selbst bei einem jahrzehntelangen Anlagehorizont erhält der Eigentümer womöglich nie weitere Bitcoins oder zusätzliches Gold, und im Gegensatz zu Aktien und Anleihen kann ein Bitcoin-Anleger nicht mit Sicherheit auf eine positive erwartete Rendite zählen.

Doch jenseits der Frage nach dem zukünftigen Wert von Bitcoin und anderen Kryptowährungen stellen sich für Anleger noch andere Probleme:

  • Für Bitcoin gibt es keine ausstellende Behörde, die Währung existiert nur als Computercode. Dieser Code wird in der Regel in einer sogenannten „digitalen
    Brieftasche“ aufbewahrt, auf die der Benutzer mit einem selbst gewählten Passwort zugreifen kann. Nun hat fast jeder von uns schon mal sein Computerpasswort verlegt oder vergessen und musste sich Hilfe holen. Für die Inhaber von Bitcoin ist dies jedoch keine Option: Wer mehrfach das falsche Passwort eingibt, kann mitunter dauerhaft den Zugriff auf sein Digitalgeld verlieren. Eine zentrale Behörde, an die sich ein vergesslicher Besitzer mit Ersatzansprüchen wenden könnte, gibt es nicht. Die New York Times berichtete vor Kurzem von einem Bitcoin-Besitzer, der auf sein Portfolio im Wert von mehr als 200 Millionen Dollar nicht mehr zugreifen kann. Ungewöhnlich ist dieser Fall allem Anschein nach nicht: Nach Schätzungen einer bekannten Krypto-Beratungsfirma besteht das ausstehende Bitcoin-Volumen zu 20% aus gestrandeten Vermögenswerten, die ihren rechtmäßigen Besitzern nicht zur Verfügung stehen.
  • Die 2010 gegründete Bitcoin-Börse Mt. Gox aus Tokio war einmal der weltgrößte Bitcoin-Handelsplatz, an dem im Jahr 2013 über eine Million Teilnehmer aus 239 Ländern mehr als 90% aller weltweiten Bitcoin-Transaktionen abwickelten. Doch nach dem Verlust (und mutmaßlichen Diebstahl) mehrerer Hunderttausend Bitcoins im Februar 2014 setzte Mt. Gox den Handel aus und meldete Konkurs an.
  • Die britische Finanzmarktaufsicht (FCA) hat im vergangenen Jahr den Verkauf von Krypto-Anlageprodukten an Kleinanleger untersagt und dafür mehrere Gründe aufgeführt. Unter anderem nannte die FCA die Natur der Basiswerte, die keine verlässliche Bewertungsgrundlage haben; Sorgen bereitete der FCA auch offensichtlicher Marktmissbrauch und Finanzkriminalität im Kryptohandel, die extreme Preisvolatilität, das mangelnde Verständnis von Kleinanlegern von Krytop-Anlageprodukten und der fehlende Bedarf an Produkten mit Bezug zu Kryptowährungen.

Innovation hat in der Finanzbranche eine lange Tradition, und Kryptowährungen sowie die dahinterstehende Technologie könnten sich eines Tages noch als historischer Durchbruch herausstellen. Wer den Nervenkitzel der Spekulation genießt, für den kann der Handel mit Kryptowährungen durchaus attraktiv sein. Wer jedoch auf der Suche nach einer soliden Geldanlage ist, der sollte sich vorher anhören, was die britische Finanzaufsicht zu dem Thema zu sagen hat.

Kursentwicklung von Bitcoin, März 2011 bis Februar 2021

Wie können Anleger mit dem Bitcoin-Hype umgehen?

Was können Anleger aus all der Medienaufmerksamkeit für sich ableiten? Welche Rolle sollte Bitcoin – wenn überhaupt – in einem diversifizierten Portfolio spielen? In jüngster Zeit ist der Wert von Bitcoins enorm gestiegen, das liegt allerdings in der Vergangenheit. Welchen Wert kann man in der Zukunft erwarten?

Diese Fragen können Sie auf unterschiedliche Weise angehen. Betrachten Sie zunächst die Rolle von Aktien, Anleihen und Barmitteln in Ihrem Portfolio.

ERWARTETE RENDITEN

Unternehmen suchen häufig nach externen Kapitalquellen, um Projekte zu finanzieren, die ihrer Ansicht nach in Zukunft Gewinne generieren werden. Gibt ein Unternehmen eine Aktie aus, bietet es den Anlegern einen Residualanspruch auf seine künftigen Gewinne. Gibt ein Unternehmen eine Anleihe heraus, verspricht es den Anlegern künftige Zahlungsströme einschließlich der Rückzahlung der Kapitalsumme bei Fälligkeit der Anleihe. Der Preis einer Aktie oder Anleihe spiegelt die Rendite wieder, die die Anleger fordern, um ihre Barmittel heute gegen einen ungewissen, aber höheren erwarteten Barbetrag in der Zukunft einzutauschen. Diese Wertpapiere spielen eine wichtige Rolle in einem Portfolio: Sie liefern positive erwartete Renditen, indem sie den Anlegern ermöglichen, an den künftigen Gewinnen teilzuhaben, die Unternehmen weltweit erzielen. Wenn Sie heute in Aktien und Anleihen investieren, gehen Sie davon aus, dass Sie Ihr Vermögen steigern und morgen mehr davon einsetzen können.

Staatsanleihen bieten häufig eine sicherere Rückzahlung der versprochenen Zahlungsströme als Unternehmensanleihen. Neben dem Potential einer positiven erwarteten Rendite, ist die Reduzierung der Unsicherheit ihres zukünftigen Vermögens ein weiterer Grund in Staatsanleihen zu investieren. Zudem verringern inflationsgebundene Staatsanleihen die Ungewissheit bezüglich des künftigen inflationsbereinigten Vermögens.

Das Halten von Barmitteln liefert keine erwarteten künftigen Zahlungsströme. Wenn Sie heute einen Euro in Ihrem Portemonnaie haben, garantiert Ihnen dies nicht, dass sie in Zukunft mehr Euro in ihrer Tasche haben werden. Dieselbe Logik gilt für das Halten anderer Papierwährungen – und ebenso für das Halten von Bitcoins in einer digitalen Geldbörse. Wir sollten also keine positive Rendite erwarten, wenn wir Barmittel in einer oder mehreren Währungen halten – es sei denn, wir können vorhersagen, wann eine Währung gegenüber anderen Währungen auf- oder abgewertet wird.

Die Fachliteratur geht durchweg davon aus, dass sich kurzfristige Währungsschwankungen durchwegs nicht vorhersagen lassen. Dies würde bedeuten, dass es keine zuverlässige und systematische Möglichkeit gibt, nur durch das Halten von Barmitteln positive Renditen zu erzielen, und zwar ganz gleich, um welche Währung es sich handelt. Warum also sollten Anleger Barmittel in einer oder mehreren Währungen halten? Ein Grund dafür ist, dass sie eine Wertanlage darstellen, mit der sich kurzfristige bekannte Ausgaben in diesen Währungen bewältigen lassen.

Vor diesem Hintergrund kann argumentiert werden, dass das Halten von Bitcoins dasselbe ist, wie das Halten von Barmitteln: Man kann damit bestimmte Waren und Dienstleistungen bezahlen. Allerdings wird der Preis der meisten Waren und Dienstleistungen nicht in Bitcoin ausgewiesen.

Die Wechselkurse zwischen Bitcoin und traditionellen Währungen unterliegen enormen Schwankungen. Aufgrund dieser Volatilität ist die Menge der künftigen Waren und  Dienstleistungen, die Sie mit Ihren Bitcoins kaufen können, selbst auf kurze Sicht ungewiss. Diese Ungewissheit in Verbindung mit den möglicherweise hohen Transaktionskosten für den Umtausch von Bitcoins in eine nutzbare Währung lässt vermuten, dass sich die Kryptowährung derzeit nicht als Wertanlage zur Bewältigung kurzfristiger bekannter Ausgaben eignet. Natürlich kann sich dies in Zukunft ändern, würde es gängige Praxis werden, alle Waren und Dienstleistungen mit Bitcoin zu bezahlen. Wenn sich Bitcoin derzeit in der Praxis nicht als Ersatz für Barmittel eignet, können wir dann damit rechnen, dass sein Wert steigt?

ANGEBOT UND NACHFRAGE

Der Preis für Bitcoins hängt vom Angebot und der Nachfrage ab. Obwohl das Angebot an Bitcoins langsam steigt, kann es eine Obergrenze erreichen, weshalb das künftige Angebot begrenzt sein könnte. Das zukünftige Angebot an Kryptowährungen könnte jedoch sehr flexibel sein, wenn neue Arten entwickelt werden und viele Kryptowährungen durch technologische Innovation als gleichwertiger Ersatz füreinander fungieren können. In diesem Fall könnte das künftige Angebot unbegrenzt sein.

Was die künftige Nachfrage nach Bitcoins anbelangt: Es besteht eine Wahrscheinlichkeit von ungleich null, dass sich nichts daraus ergeben wird (keine künftige Nachfrage), und eine Wahrscheinlichkeit von ungleich null, dass sie allgemein angenommen werden (hohe künftige Nachfrage).

Die zukünftige Regulierung trägt noch zu dieser Ungewissheit bei. Die jüngste Berichterstattung in den Medien hat dafür gesorgt, dass mehr über Bitcoins gesprochen wird als in den letzten Jahren. Die meisten Finanzinstitute setzen dennoch keine Bitcoins ein. Zudem wurde die digitale Währung von den Aufsichtsbehörden eingehend geprüft. Beispielsweise warnte die US-Wertpapierbehörde (US Securities and Exchange Commission, SEC) Anleger im Jahr 2014 in einer Mitteilung, dass alle neuen Investments, die attraktiv und hochmodern erscheinen, auch eine Gelegenheit für Betrug und falsche Versprechen für hohe Anlagerenditen darstellen können. Andere Behörden weltweit gaben ähnliche Warnungen heraus. Es ist unklar, wie sich künftige Gesetze und Regulierungen in Zukunft auf Angebot und Nachfrage von Bitcoins (oder gar dessen Existenz) auswirken können. Diese Ungewissheit findet sich bei jungen Anlageformen häufig.

Alle diese Faktoren lassen darauf schließen, dass Angebot und Nachfrage in Zukunft höchst ungewiss sein werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Angebot und Nachfrage in Zukunft hoch oder gering sein werden, ist jedoch ein Faktor für den heutigen Preis von Bitcoins. Dieser Preis ist insoweit angemessen, als dass die Anleger bereit sind, Transaktionen zu diesem Preis durchzuführen.

WAS KÖNNEN WIR ERWARTEN?

Sollten wir also erwarten, dass der Wert von Bitcoins steigt? Vielleicht. Wie bei traditionellen Währungen lässt sich jedoch nicht zuverlässig vorhersagen, wie stark diese Aufwertung sein und wann sie eintreten wird. Uns ist jedoch bewusst, dass wir nicht erwarten dürfen, in Zukunft mehr Bitcoins zu erhalten, nur weil wir heute einen Bitcoin halten. Bitcoins gewähren ihren Besitzern keinen Anspruch auf einen erwarteten Zahlungsstrom zukünftiger Bitcoins – und auch keinen Residualanspruch auf die künftigen Gewinne globaler Unternehmen.

Damit wollen wir allerdings das interessante Potenzial der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie, die den Handel mit Bitcoins ermöglicht, keineswegs leugnen. Sie ist eine offene Buchführungsplattform, auf der Transaktionen effizient, überprüfbar und dauerhaft aufgezeichnet werden können. Dies hat bedeutende Auswirkungen für Banken und andere Branchen, auch wenn es Jahre dauern kann, bis sich diese bemerkbar machen.

Es empfiehlt sich beim Entwerfen Ihres Portfolios mit Ihren Zielen zu beginnen. Dieser Ansatz – kombiniert mit dem Verständnis über die Merkmale geeigneter Wertpapiere – bietet Ihnen ein gutes Gerüst, dass Sie bei der Entscheidung unterstützt, welche Wertpapiere einen Platz in Ihrem Portfolio verdienen. Haben Sie bestimmte Wertpapiere ausgewählt, können Sie nun anhand ihrer Gewichtung auf dem Gesamtmarkt aller investierbaren Wertpapiere entscheiden, wie hoch die Allokation dieser Wertpapiere in Ihrem Portfolio sein soll.

Anders als bei Aktien und Unternehmensanleihen ist bei Bitcoins nicht sicher, ob diese den Anlegern positive erwartete Renditen bieten. Anders als bei Staatsanleihen bietet Bitcoin keine Klarheit bezüglich des künftigen Vermögens. Und anders als bei Barmitteln in Papierwährungen eignet er sich nicht dazu, die meisten kurzfristigen bekannten Ausgaben zu planen.

Da Bitcoin nicht dazu beiträgt, diese Investmentziele zu erreichen, verdient dieser und weitere Kryptowährungen unserer Ansicht nach keinen Platz in einem Portfolio, das dazu entworfen wurde, ein oder mehrere dieser Ziele zu erfüllen.

Haftungsbegrenzung: Sämtliche Zahlen, Aussagen und Informationen in diesem Artikel dienen lediglich didaktischen und illustrativen Zwecken. Der Artikel ist an die allgemeine Öffentlichkeit gerichtet, jedoch nicht an einzelne Personen oder Anleger oder speziell an existierende oder zukünftige Kunden der Finanzring Gesellschaft für Vermögensberatung mbH & Co. KG. Auf keinen Fall sollte der Artikel oder die darin aufgeführten Informationen als Finanzberatung, Investitionsempfehlung oder als Angebot gemäß des deutschen Wertpapierhandelsgesetzes verstanden werden. Wir sind stets bemüht, Fehler zu vermeiden, und grundlegend bestrebt, korrekte Informationen im Artikel darzustellen. Historische Renditen und Wertsteigerungen sind keine Verbindlichkeit für ähnliche Werte in der Zukunft. In die gezeigten Wertpapierindizes ist kein direktes Investment möglich und sie enthalten keine Kosten und Steuern. Investitionen in Wertpapiere, Bankguthaben, Investmentfonds, Immobilien und Rohstoffe bringen hohe Verlustrisiken hervor, bis hin zur Gefahr des Totalverlusts. Auch können genannte Investmenttechniken zu enormen Verlusten führen. Wir übernehmen keine Haftung für etwaige Schäden, die durch den Gebrauch der in diesem Artikel enthaltenen Informationen hervorgehen.

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