Konjunktur, Inflation und Leitzinsen
Auch im letzten Quartal des Jahres galt die Aufmerksamkeit der Kapitalmärkte der chaotischen US-Politik. Weil es im US-Kongress keine Einigung auf eine Brückenfinanzierung für die laufenden Staatsausgaben gab, standen in den USA die Regierungsgeschäfte auf Bundesebene von Anfang Oktober bis Mitte November für 43 Tage still.
Der bislang längste sogenannte Shutdown der US-Geschichte führte auch dazu, dass Regierungsbehörden nicht die üblichen Daten veröffentlichen konnten, darunter den Arbeitsmarktbericht. Damit fehlten den Börsen einige Orientierungsgrößen, die normalerweise insbesondere Rückschlüsse auf die Geldpolitik zulassen. Trotzdem verfestigte sich die Erwartung weiterer Zinssenkungen durch die US-Notenbank. Die Inflationszahlen lagen schließlich unter den Befürchtungen, womit der Weg für eine Lockerung der Geldpolitik geebnet wurde.
Für Verunsicherung an den Märkten sorgte abermals US-Präsident Trump, als er in Reaktion auf verschärfte Exportbeschränkungen Chinas für Seltene Erden neue Zusatzzölle auf Einfuhren aus China in Höhe von 100 Prozent ankündigte. Konkrete Störungen aus dem Handelskonflikt mit China ergaben sich bei der Versorgung mit Mikrochips des Halbleiter-Herstellers Nexperia, der vor allem Automobilhersteller beliefert. Die Sorgen wurden kleiner, als Trump seine Drohungen abermals relativierte. Die von ihm angedrohten Zölle, die zusammen einen Zollsatz von 157 Prozent erreicht hätten, seien wirtschaftlich nicht verkraftbar.
Auch andere Zusatz-Strafzölle, beispielsweise gegen Brasilien, hielt die US-Administration nicht durch. Zwar blieb die Einigung im Zollstreit mit China wage, aber die zweite Leitzinssenkung der US-Notenbank in diesem Jahr, die Ende Oktober erfolgte, wurde positiv aufgenommen. Diese Senkung der Fed Funds Rate um 25 Basispunkte war allgemein erwartet worden. Auch die Übergangslösung für den US-Staatshaushalt, der am 12. November vom US-Kongress angenommen wurde, verbesserte die Stimmung an den Kapitalmärkten. Nachdem sich verschiedene Mitglieder der US-Notenbank zurückhaltend äußerten, wurde die Erwartung einer weiteren Zinssenkung durch die Fed zunächst
kleiner. Tatsächlich senkte die US-Notenbank dann im Dezember die Fed Fund Rate um weitere 25 Basispunkte auf die Bandbreite 3,50 bis 3,75 Prozent.
In die andere Richtung entwickelte sich die Geldpolitik in Japan. Eine Rede des Präsidenten der japanischen Notenbank, Kazuo Ueda, löste die Erwartung aus, die japanische Zentralbank, die Bank of Japan (BoJ), könne ihre Leitzinsen erhöhen. Höhere Zinsen für den japanischen Yen können jedoch an den Kapitalmärkten zu Umschichtungen aus vermeintlich riskanteren in defensivere Vermögenswerte führen, weil der japanische Yen häufig zur Finanzierung sogenannter Carry Trades genutzt wird. Anfang August 2024 hatte eine Zinserhöhung der BoJ zu massiven Verkäufen an den Börsen geführt. Eine vergleichbare Wirkung hatte die Zinserhöhung, die am 19. Dezember erfolgte, nicht. Der japanische Leitzins, die Key Policy Rate, wurde um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent erhöht.
Anleihen, Währungen und Rohstoffe
An den Anleihemärkten überwogen im vierten Quartal leichte Kursverluste. Akute Sorgen um die steigenden Staatsschulden traten dagegen in den Hintergrund. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg im Berichtszeitraum nur um zwei Hundertstel (Basispunkte) und beendete das Jahr bei 4,16 Prozent. Die Marke von 4,20 Prozent erwies sich dabei mehrfach als Unterstützung, bei der die Nachfrage nach Anleihen einen weiteren Anstieg der Rendite verhinderte.
Bei den US-Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit zeigten sich dagegen die Sorgen um die langfristige Finanzierbarkeit der US-Schulden in einem Anstieg der Rendite um 11 Basispunkte auf 4,84 Prozent. Die von Donald Trump im Wahlkampf angekündigten Einsparungen im US-Haushalt von mindestens zwei Billionen US-Dollar belaufen sich nach Angaben der dafür gegründeten Behörde Department of Government Efficiency (DOGE) auf nur 214 Mrd. Dollar, also rund 10 Prozent. Diese werden mehr als aufgezehrt durch die von DOGE verursachten Kosten und Steuermindereinnahmen.
Bei Euro-Anleihen setzte sich ab Mitte Oktober der Abwärtstrend der Anleihekurse fort. Die Rendite deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stieg im vierten Quartal um 14 Basispunkte auf 2,86 Prozent. Der Bund-Future, der die Kursentwicklung deutscher Bundesanleihen widerspiegelt, sank im Berichtszeitraum um 0,8 Prozent.
An den Devisenmärkten setzte sich die Seitwärtsbewegung des dritten Quartals im Verhältnis des US-Dollars zum Euro auch in den letzten Monaten des Jahres fort. Die US-Zinssenkung im Dezember löste zwar einen Test der Marke 1,18 US-Dollar pro Euro aus, aber trotz des kleiner werdenden Zinsvorsprungs pendelte die US-Währung weiter um 1,17 US-Dollar pro Euro und stand am Jahresende bei 1,174 US-Dollar je Euro. Gegenüber dem japanischen Yen erholte sich der US-Dollar nahezu vollständig von den Kursverlusten der ersten vier Monate des Jahres 2025.
Bei Kryptowährungen herrschte nach phasenweiser Euphorie Anfang und Mitte des Jahres im vierten Quartal Ernüchterung. Der Bitcoin und andere Digitalwährungen gerieten vor allem im November unter Druck. Das vierte Quartal beendete der Bitcoin mit einem Rückgang um 23,4 Prozent auf rund 87.600 US-Dollar. Der Anteil des Bitcoins am gesamten Kurswert ausgegebener Kryptowährungen, die sogenannte Bitcoin-Dominanz, blieb knapp unter 60 Prozent.
Die Rohstoffmärkte standen im vierten Quartal unter dem Eindruck eines weiter beschleunigten Preisanstiegs bei Edelmetallen. Der Goldpreis stieg im vierten Quartal um 12,1 Prozent auf 4.320 US-Dollar pro Unze und Silber sogar um 52,8 Prozent auf 71,30 US-Dollar pro Unze. Auch der Kupferpreis erreichte in hohem Tempo neue Rekordhöhen. Der Kupferpreis am Terminmarkt lag am Jahresende mit rund 12.500 US-Dollar pro Tonne 21,4 Prozent höher als drei Monate zuvor. Beim Öl setzte sich dagegen der übergeordnete Abwärtstrend fort. Je nach Ölsorte sank der Preis für ein Barrel um knapp acht Prozent auf rund 60 US-Dollar. Den Anstieg des Bloomberg Commodity Index vermochte das allen-
falls zu bremsen, aber nicht zu verhindern: Er kletterte im vierten Quartal um 4,8 Prozent.
Aktienmärkte
Künstliche Intelligenz (KI) war auch im vierten Quartal 2025 das wichtigste Thema an den Aktienmärkten, das für Kursfantasie sorgte. Allerdings nahmen die kritischen Einschätzungen zu, die hohen KI-Investitionen könnten sich nicht amortisieren. Die Quartalsberichte der US-Tech-Konzerne Microsoft, Amazon und Apple wurden mit neuen Rekordkursen für deren Aktien honoriert. Auch die Aktien von Alphabet stiegen auf neue Rekordhöhen. Und Nvidia konnte seinen Börsenwert Ende Oktober vorübergehend auf über fünf US-Billionen US-Dollar steigern.
Die mit Nervosität erwarteten Quartalsergebnisse des KI-Chip-Herstellers übertrafen dann nochmals die schon hohen Erwartungen, was mit Erleichterung aufgenommen wurde, allerdings keine neuen Kursgewinne mehr begründen konnte. Im Kreis der großen US-Technologie-Aktien fiel Meta Platforms negativ auf. Ende Oktober verschreckten die hohen KI-Investitionen des Plattform-Betreibers die Anleger.
Von den Unternehmensnachrichten mit den Geschäftsergebnissen des dritten Quartals gingen für den Gesamtmarkt mehrheitlich positive Signale aus. Das durchschnittliche Ergebniswachstum bei den US-Unternehmen erreichte rund 15 Prozent. Trotzdem wurde der Aufwärtstrend der US-Börse wiederholt von Gewinnmitnahmen gebremst. Zeitweilig kam es zu Umschichtungen von Tech-Aktien in Werte der Old Economy. Pharma-Aktien, die lange unter dem Spardruck der öffentlichen Gesundheitssysteme gelitten hatten, profitierten von der Aussicht, „Deals“ mit der Trump-Administration machen zu können.
Für Nervosität sorgten vorübergehend die zwei US-Regionalbanken Zions Bancorp und Western Alliance, als sie mögliche Millionenschäden durch Kreditbetrug im Zusammenhang mit Immobilieninvestments bekannt gaben. Marktteilnehmer fühlten sich an die Anfänge der Bankenkrise 2007 erinnert. Die Sorge, dass sich dies wieder zu einer Finanzkrise ausweiten könne, erwies sich aber als unbegründet. Als wichtige Stütze der Aktienmärkte fungierten die US-Leitzinssenkungen Ende Oktober und Mitte Dezember.
Bei den Branchen-Indizes fiel wieder der Nasdaq Biotech Index positiv auf. Er stieg im vierten Quartal um 17,0 Prozent und mit 32,4 Prozent im Gesamtjahr deutlich stärker als die Standardindizes. Der Dow Jones Industrial Average beendete das Quartal dagegen nur mit einem Anstieg um 3,6 Prozent und das Jahr mit plus 13,0 Prozent bei 48.063 Punkten. Der S&P-500-Index verzeichnet für den Berichtszeitraum ein Plus von 2,3 Prozent, was dem Anstieg des Nasdaq-100-Index im selben Zeitraum entspricht.
Auch die europäischen Aktienmärkte konnten bereits im Oktober neue Rekordhöhen erreichen. Europäische Stahlwerte, die unter den auf 50 Prozent erhöhten US-Importzöllen leiden, profitierten von der Absicht der EU, nun ihrerseits mit Stahleinfuhrquoten den heimischen Markt vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Der Leitindex der Eurozone, der EURO STOXX 50, überwand Anfang des Monats den Widerstand bei 5.500 Zählern und stieg danach erstmals in seiner Geschichte auf über 5.700 Punkte. Der Index beendete das Jahr bei 5.791,4 Zählern mit einem Anstieg im vierten Quartal um 4,7 Prozent. Der Deutsche Aktienindex DAX schnitt mit einem Anstieg von nur 2,6 Prozent auf 24.490 Punkte schlechter ab, weil die dort hoch gewichtete SAP-Aktie ihren Abwärtstrend bis zum Jahresende fortsetzte. Der größte europäische Software-Hersteller hatte seine Erwartungen an das Cloud-Geschäft reduziert.
Eine Outperformance zeigte im vierten Quartal der japanische Aktienmarkt. Er profitierte von der Wahl Sanae Takaichis zur Chefin der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP). Weil die LDP den Regierungschef stellt, folgte darauf auch der Wechsel an der Spitze der japanischen Regierung. In Erwartung einer wirtschaftsfreundlichen Politik und günstigerer Rahmenbedingungen stiegen japanische Aktien. Dabei profitierte der Markt auch davon, dass sich der japanische Yen gegenüber dem US-Dollar und dem Euro abschwächte, was die japanische Exportwirtschaft begünstigt. Zudem gingen auch in Tokio von den Quartalsberichten überwiegend positive Impulse aus, so von Hitachi und Fujitsu. Der Nikkei-225-Index kletterte erstmals über die Marke von 50.000 Punkten und beendete das Jahr bei 50.339 Zählern, was für das Quartal einen Anstieg um 12,0 Prozent bedeutet.
Auch die Aktienmärkte von Südkorea und Taiwan gehörten im vierten Quartal zu den größeren Gewinnern. Der Taiwan Weighted Index verzeichnete ein Plus von 11,2 Prozent und der südkoreanische KOSP-Index sogar von 23,1 Prozent. Beide gelten als gut positioniert für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, nicht zuletzt wegen der dort ansässigen größten Mikrochip-Hersteller der Welt.
Die Aktienkurse der Goldminenbetreiber profitierten vom anhaltenden Anstieg des Goldpreises. Nach dem Anstieg im dritten Quartal um 49,0 Prozent legte der FT Goldmines Branchenindex im Berichtszeitraum nochmals um 16,0 Prozent zu, womit das Plus im Gesamtjahr auf 170,8 Prozent stieg.
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